Bei der Arbeit an Oldtimern sind festgefressene Verbindungen der natürliche Feind des Schraubers. Um genau das zu verhindern, greifen wir zu Heißschraubpasten. Doch im Regal stehen zwei Varianten: die klassische, rötlich-glänzende Kupferpaste und die moderne, weiße Keramikpaste. Aber welche kommt wohin und wann zum Einsatz? Kann man mit der falschen Paste eigentlich etwas kaputt machen? Wir wenden uns beiden Pastenarten und ihren Anwendungsfällen in diesem Blogbeitrag zu. In diesem Guide klären wir, warum die Wahl der Paste über Erfolg oder „Totalverlust“ entscheiden kann.
Kupferpaste oder Keramikpaste? Der Guide für die Anwendung am Oldtimer

Der Klassiker: Was ist Kupferpaste eigentlich?
Kupferpaste ist der „Oldie“ unter den Hilfsmitteln. Sie besteht aus feinsten Kupferpartikeln, die in einem Trägerfett gebunden sind. Der Name ist also Programm und das beste Erkennungsmerkmal: Die Paste ist kupferfarben.
Wie Kupferpaste funktioniert
Wenn du eine Schraube mit Kupferpaste einstreichst, wirken die Metallpartikel wie eine Trennschicht. Selbst wenn das Fett durch enorme Hitze (z.B. am Auspuff) längst verflogen ist, bleiben die Kupferplättchen zwischen den Gewindegängen zurück. Sie verhindern, dass die Metallflächen von Schraube und Bauteil miteinander „verschmelzen“ oder festrosten.
Die Vorteile der Kupferpaste:
- Extreme Hitzebeständigkeit: Kupferpaste hält locker Temperaturen bis zu 1.100 °C stand.
- Hohe Druckaufnahme: Ideal für Verbindungen, die fest angezogen werden.
- Gute elektrische Leitfähigkeit: Manchmal ein Vorteil, oft aber auch ein Nachteil (dazu gleich mehr).
Der moderne Allrounder: Was kann Keramikpaste?
Keramikpaste ist quasi die Hightech-Antwort auf die Anforderungen moderner Fahrzeugtechnik. Statt Metallpartikeln enthält sie keramische Festschmierstoffe.
Warum sie entwickelt wurde
Mit dem Einzug von Aluminiumbauteilen und komplexer Elektronik stieß die Kupferpaste an ihre Grenzen. Keramikpaste ist metallfrei und damit elektrisch nicht leitend. Zudem ist sie chemisch neutral (inert), was bedeutet, dass sie nicht mit anderen Materialien wie Aluminium an Motorblock oder Zylinderkopf reagiert.
Die Vorteile der Keramikpaste:
- Temperaturbeständig: Toppt die Kupferpaste in Sachen der Temperaturbeständigkeit (bis ca. 1.400 - 1.500 °C) sogar noch ein wenig.
- Keine galvanische Korrosion: Reagiert nicht mit Aluminium.
- ABS-sicher: Da sie nicht leitet, stört sie keine Sensoren.
Der Vergleich: Wann was nehmen?
In Sachen der korrekten Anwendung beider Pasten streiten sich oft die Gelehrten. Damit du nicht raten musst, haben wir die wichtigsten Anwendungsgebiete für deine Restauration aufgeschlüsselt.
Auspuff und Krümmer
Hier ist die Kupferpaste zu Hause. Die extremen Temperaturschwankungen und die ständige Feuchtigkeit setzen jedem Gewinde zu. Kupferpaste verhindert hier effektiv das Festbrennen der Stehbolzen am Zylinderkopf. Auch die Muttern der Auspuffschellen danken dir die Behandlung mit Kupferpaste beim nächsten Wechsel.
Die Bremsanlage
Bei der Bremsanlage solltest du vorerst dein genaues System kennen, um die richtige Wahl treffen zu können.
- Oldtimer mit klassischer Bremse (ohne ABS): Hier kannst du für die Rückseite der Bremsbeläge (gegen das Quietschen) noch zur Kupferpaste greifen.
- Fahrzeuge mit ABS/ESP: Finger weg von Kupferpaste! Kupfer ist leitfähig. Gelangt durch Abrieb oder Hitze Kupferstaub an die empfindlichen ABS-Sensoren, können diese Fehlersignale liefern. Hier ist Keramikpaste absolute Pflicht.
Aluminium-Bauteile (Felgen, Köpfe, Gehäuse)
Wenn du eine Stahlschraube in ein Aluminiumgewinde drehst, entsteht bei Feuchtigkeit ein sogenanntes galvanisches Element. Das edlere Metall (Kupfer) sorgt dafür, dass das unedlere Metall (Aluminium) korrodiert. Das Ergebnis: Die Schraube „backt“ im Alu fest, als wäre sie verschweißt. Wähle in diesen Fällen die Keramikpaste. Sie trennt die Metalle sauber, ohne eine chemische Reaktion zu fördern.
Die „Don’ts“: Wo beide Pasten nichts zu suchen haben
Auch wenn der ein oder andere am liebsten alles „einschmieren“ würde, gibt es Bereiche, in denen Kuper- und Keramikpaste nichts verloren haben:
- Zündkerzengewinde: Moderne Zündkerzen haben oft eine spezielle Beschichtung. Paste kann hier das Drehmoment verfälschen (man zieht zu fest an) oder den elektrischen Massekontakt verschlechtern. Schau immer in die Herstellervorgaben.
- Radbolzen/Radmuttern: Das ist ein ewiges Streitthema. Die meisten Hersteller sagen: Trocken montieren! Schmiermittel am Gewinde verändern die Reibung so stark, dass die Schraube bei korrektem Drehmoment eigentlich schon überdehnt wird. Wenn überhaupt, dann nur einen winzigen Hauch Keramikpaste auf den Zentrierring der Felge, damit diese nicht auf der Nabe festrostet.
- Gummiteile: Weder Kupfer- noch Keramikpaste sind gut für normale Gummis (z.B. Staubmanschetten an Bremskolben). Das enthaltene Mineralöl lässt den Gummi aufquellen. Hierfür nutzt du bitte spezielle Bremszylinderpaste.
Anwendungstipps für die Werkstatt und deinen Oldtimer
Damit die Pasten auch wirklich helfen, kommt es auf die richtige Vorbereitung und Technik an:
- Sauberkeit ist alles: Bevor die Paste draufkommt, muss das Gewinde mit einer Drahtbürste von altem Rost und Schmutz befreit werden. Paste über Rost zu schmieren, ist wie ein Pflaster auf ein dreckiges Knie zu kleben – bringt nix.
- Weniger ist mehr: Du musst die Schraube nicht in Paste baden. Ein dünner Film auf den ersten paar Gewindegängen reicht völlig aus. Beim Einschrauben verteilt sich das Mittel von selbst.
- Die richtige Lagerung: Deckel immer fest zu! Nichts ist nerviger als eine Dose Kupferpaste, in der sich über die Jahre der Werkstattstaub gesammelt hat. Das wirkt dann wie Schmirgelpapier.
Fazit: Was gehört in deinen Werkzeugschrank?
Wenn du nur Platz für eine Dose hast, nimm die Keramikpaste. Sie kann fast alles, was Kupferpaste kann, ist aber universeller einsetzbar und sicherer für moderne Komponenten oder Aluminium-Bauteile.
Bist du jedoch ein Purist, der hauptsächlich an schweren Gussmotoren und alten Auspuffanlagen schraubt, bleibt die Kupferpaste der treue Begleiter.
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