Gerade die oft einfache und alternde Elektrik stellt eine Schwachstelle an Oldtimern dar, die beim Versagen im besten Fall zum Ausfall unwichtiger Funktionen und im schlimmsten Fall zu einem Kabelbrand und damit zu immensen Schäden oder sogar zum Totalverlust durch Fahrzeugbrand führen kann. Hier kommen die kleinen, unscheinbaren Helden ins Spiel: Autosicherungen. Sie sind die Lebensversicherung der gesamten Fahrzeugelektrik und sollten besondere Aufmerksamkeit genießen.
Oldtimer-Sicherungen: Cent-Artikel mit Wirkung
In diesem Beitrag tauchen wir tief in die Welt der Oldtimer-Sicherungen ein. Wir beleuchten ihre historische Entwicklung und stellen die heute gängigen Typen vor, die in unseren Klassikern für Sicherheit sorgen.
Funktionsweise von Fahrzeugsicherungen
Die Sicherung im Fahrzeug dient als essenzielle Schutzeinrichtung für die elektrischen Verbraucher (wie Radio, Licht oder Steuergeräte) und die Kabel. Sie schützt die Komponenten vor Überstrom, der durch einen Kurzschluss oder eine Überlastung entstehen kann. Im Inneren der Flachsicherung befindet sich ein präzise dimensionierter Schmelzleiter aus Metall. Fließt der Strom durch diesen Leiter und übersteigt er den Nennwert der Sicherung für eine definierte Zeit, führt der erhöhte Strom zur Erwärmung und zur Überschreitung der Schmelztemperatur des Leiters (Joule-Erwärmung). Sobald dies geschieht, unterbricht der Leiter den Stromkreis physisch und verhindert so, dass zu hohe Ströme die nachgeschalteten Komponenten oder die Fahrzeugverkabelung beschädigen, was andernfalls zu einem Brand führen könnte. Die Sicherung ist also die geplante Schwachstelle im System, die bei einem Fehler geopfert wird, um das Gesamtsystem zu schützen. Als Cent-Artikel ist der Tausch der Sicherung allemal günstiger als jedwede Beschädigung tiefer im Auto.
Elektrischer Hintergrund
Basis der Funktion von Kfz-Sicherungen ist die auf der Sicherung stehende Stromstärke (z.B. 5 A oder 16 A). Je größer die Angabe, desto höhere Ströme können über die Sicherung geführt werden, ohne dass sie Schaden nimmt.
Das Ohmsche Gesetz:
I = U / R
I: Stromstärke (in Ampere, A), die durch die Sicherung fließt.
U: Anliegende Spannung (in Volt, V), von Batterie, Ladegerät oder Lichtmaschine geliefert
R: Elektrischer Widerstand (in Ohm, Ω) im System.
Der fließende Strom wird durch die Spannung und den Gesamtwiderstand (zusammengefasster Widerstand des Verbrauchers, der Leitungen, der Anschlüsse und der Sicherung) gegeben. Die Spannung spielt sich grob im Bereich der Batterienennspannung ab, der Gesamtwiderstand des Stromkreises sinkt im Kurzschlussfall drastisch ab (auf nahezu 0), da der Verbraucher überbrückt wird oder ein Defekt vorliegt.
Erwärmung und Schmelzen:
Die Leistung, die in der Sicherung letztlich zur Wärmeentwicklung und Auslösung führt, kann direkt aus den Eigenschaften der Sicherung abgeleitet werden.
Der Schmelzleiter besitzt einen definierten elektrischen Widerstand. Fließt ein Strom durch diesen Widerstand, fällt über ihm eine Spannung ab. Die in Wärme umgewandelte Leistung wird mit der sogenannten Joule-Erwärmung berechnet:
P = I² ⋅ R
P: Elektrische Leistung (in Watt, W)
I: Stromstärke (in Ampere, A), die durch die Sicherung fließt
R: Elektrischer Widerstand (in Ohm, Ω) des Schmelzleiters.
Die Formel hilft dem Verständnis für die Funktion der Sicherung, denn sie zeigt, dass die erzeugte Wärmeleistung quadratisch mit der Stromstärke ansteigt.
- Normalbetrieb: Die Stromstärke ist gleich oder kleiner dem Nennwert. Ist sie gering, bleibt die Temperatur des Leiters niedrig und die Wärme wird schnell an die Umgebung abgeführt.
- Überstrom/Kurzschluss: Die Stromstärke steigt stark an (z. B. auf das Doppelte des Nennwerts). Die erzeugte Wärmeleistung steigt dadurch auf das Vierfache (aufgrund der quadratischen Beziehung) an. Die schnell und stark erhöhte Leistung führt dazu, dass die Temperatur des Schmelzleiters schnell den Schmelzpunkt erreicht, wodurch der Leiter schmilzt und den Stromkreis unterbricht.
Eine Reise durch die Geschichte: Die Entwicklung der Autosicherung
Die ersten Automobile waren in ihren elektrischen Systemen noch sehr rudimentär. Mit der zunehmenden Komplexität – der Einführung von Beleuchtung, Anlassern und später Radios – stieg auch die Notwendigkeit, die empfindlichen Kabel und Komponenten vor Überlastung und Kurzschlüssen zu schützen.
Anfänge und die Ära der Keramiksicherungen
Die Grundidee der Schmelzsicherung reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Im Automobilbereich etablierte sich in Europa vor allem ein Typ, der heute untrennbar mit Oldtimern verbunden ist: die Torpedosicherung.
- Zeitliche Einordnung: Verbreitet von den frühen Anfängen bis in die 1980er Jahre in europäischen Fahrzeugen.
- Charakteristik: Zylindrische Form, ursprünglich mit einem Isolierkörper aus Keramik oder Bakelit und Metallkappen an den Enden.
- Normierung: In Deutschland wurde sie nach DIN 72581-1 genormt.
- Farbcode: Die Stromstärke ist über eine Farbcodierung klar erkennbar. Dies war ein entscheidender Vorteil für eine schnelle Notfallreparatur.
In den USA und Asien waren in dieser Zeit auch häufig Glassicherungen (Glasrohrsicherungen) gebräuchlich, die ein Glasrohr mit Metallkappen und einem sichtbaren Schmelzfaden besaßen.
Der Wandel: Von der Torpedosicherung zur Flachsicherung
Ab den späten 1970er und 1980er Jahren begann der allmähliche technologische Wandel, angetrieben durch eine höhere Leistungsdichte der Fahrzeugelektrik, begrenzte Platzverhältnisse und den Wunsch nach größerer Zuverlässigkeit.
Die ATO-Sicherung (Flachstecksicherung): Entwickelt um 1976 (erstmals in Großserie beim Opel Kadett D 1979) löste die Flachstecksicherung (Standard, Mini, Maxi) die Torpedosicherung in Neufahrzeugen ab. Ihr größter Vorteil: Die bessere Kontaktfläche und die höhere Federkraft der Haltezungen im Sicherungskasten reduzieren das Risiko von Übergangswiderständen – einem häufigen Problem bei alten Torpedosicherungen, das zu Überhitzung der Kunststofffassung und so zum Schmelzen und zur Korrosion führen kann.
Auch wenn moderne Autos heute fast ausschließlich Flachstecksicherungen verwenden, bleibt die Torpedosicherung für Oldtimer-Besitzer ein zentrales Thema, da nur sie die Originalität des Klassikers widerspiegelt.
Die gängigen Sicherungstypen für Old- & Youngtimer heute
Für Oldtimer-Besitzer ist es essenziell, die richtigen Sicherungstypen zu kennen. Wer Wert auf die maximale Authentizität legt, verwendet üblicherweise die periodengerechten Typen in seinem Klassiker.
1. Der Klassiker: Torpedosicherungen (DIN 72581-1)
Die Standardwahl für die meisten europäischen Oldtimer mit Baujahren bis weit in die 1980er Jahre.
| Stromstärke (A) | Farbe (DIN 72581) | Typische Anwendung |
| 5 A | Gelb | Standlicht, Instrumentenbeleuchtung |
| 8 A | Weiß | Blinker, Scheibenwischer, Hupe |
| 16 A | Rot | Abblendlicht, Fernlicht, Heizungsgebläse |
| 25 A | Blau | Zusatzverbraucher, Hochlast-Anwendungen |
| 40 A | Schwarz/Grau | Hochlastverbraucher (z.B. Klimaanlage, schwere Pumpen) |
Wichtig: Achte bei der Verwendung auf eine gute Kontaktierung im Halter. Ist diese nicht gewährleistet, werden Übergangswiderstände verursacht, was Hitzeprobleme nach sich ziehen und so zum Schmelzen des Kunststoffkörpers der Sicherung führen kann.
2. Die Amerikaner und Asiaten: Glasrohrsicherungen
Besonders in Oldtimern aus den USA (wie Ford, GM oder Chevrolet) oder Asien (ältere Honda, Toyota) finden sich häufig die zylindrischen Glasrohrsicherungen, die in Europa eher aus Anwendungen fern des Autos bekannt sind.
- Charakteristik: Ein Glasrohr erlaubt die sichtbare Kontrolle des Schmelzfadens.
- Abmessungen: Gängig sind Sicherungen der Abmessungen 1/4 Zoll × 1 Zoll (ca. 6,3 × 25,4 mm).
- Besonderheit: Es gibt sie in flinker und träger Ausführung. Die trägen (oft mit „T“ gekennzeichnet) sind für Stromkreise mit hohen Einschaltströmen (z.B. Motoren) gedacht, damit sie nicht unnötig durchbrennen.
3. Für hohe Ströme: Streifensicherungen (Blattsicherungen)
In Fahrzeugen mit höheren Leistungsanforderungen (z.B. für Vorglühanlagen von Dieselmotoren, Hauptstromkreise oder hydraulische Pumpen) werden oft Streifensicherungen verwendet.
- Charakteristik: Flache Metallstreifen mit Befestigungslöchern, die meist verschraubt werden.
- Anwendungen: Nennströme von 30 A bis 150 A.
4. Die modernen Varianten: Flachsicherungen
Die modernen Bauformen der Sicherungen im Kfz-Bereich sind allgegenwärtig – und das seit einigen Jahrzehnten. Darum spielen sie insbesondere für die jüngeren Oldtimer die wichtigste Rolle. Gleich den Torpedosicherungen sind Flachsicherungen genormt. Gebräuchlich sind heute folgende drei Varianten (Mini-Flachsicherung, Standard-Flachsicherung und Maxi-Flachsicherung):
Mini-Flachsicherung (ATM/APM):
- Norm-Typ: Wird oft unter der ISO 8820-3 als Typ F (oder MINI®) geführt.
- Abmessungen: Sehr kompakt, mit einer Breite von ca. 10,9 – 11,8 mm.
- Strombereich: Typischerweise von 2 A bis 30 A.
Standard-Flachsicherung (ATO/ATC):
- Norm-Typ: Wird oft unter der ISO 8820-3 als Typ C (oder ATO/ATC) geführt, bzw. DIN 72581/3C.
- Abmessungen: Die gängigste Bauform, mit einer Breite von ca. 19,0 – 19,3 mm.
- Strombereich: Typischerweise von 1 A bis 40 A.
Maxi-Flachsicherung (APX):
- Norm-Typ: Wird oft unter der ISO 8820-3 als Typ E (oder MAXI®) geführt.
- Abmessungen: Große Bauform für höhere Ströme, mit einer Breite von ca. 29,2 mm.
- Strombereich: Typischerweise von 20 A bis 80 A (teilweise bis 120 A).
Auch in diesem Fall ist die Farbcodierung festgelegt und über alle drei Typen dieselbe. So kann entsprechend auf einen schnellen Blick die benötigte Ersatzsicherung identifiziert werden:
| Stromstärke (A) | Farbe (nach ISO 8820-3) |
| 2 | Grau |
| 3 | Violett |
| 4 | Rosa/Hellrosa |
| 5 | Hellbraun/Beige |
| 7,5 | Braun |
| 10 | Rot |
| 15 | Blau |
| 20 | Gelb |
| 25 | Farblos/Weiß |
| 30 | Grün |
| 40 | Orange |
Für Maxi-Sicherungen mit höheren Werten (z. B. 50 A, 60 A, 80 A) werden weitere Farben oder Farbschattierungen (wie z. B. Dunkelrot, Dunkelviolett, Blaugrün) verwendet.
Sicherheitstipps für Oldtimer-Besitzer
Der Einsatz der richtigen Sicherung ist nur die halbe Miete. Die Wartung und der Umgang mit der alternden Elektrik deines Klassikers sind entscheidend für die Betriebssicherheit.
1. Korrekte Dimensionierung ist Pflicht
- Niemals eine stärkere Sicherung verwenden: Wenn eine 8-Ampere-Sicherung durchbrennt, darf sie nur durch eine 8-Ampere-Sicherung ersetzt werden. Eine stärkere Sicherung (z.B. 16 A) würde im Fehlerfall den Stromkreis nicht schnell genug unterbrechen. Das Ergebnis ist eine überhitzte, schmelzende Verkabelung, die einen Kabelbrand auslösen kann, bevor die stärkere Sicherung anspricht.
- Farbcode prüfen: Bei Torpedosicherungen und Flachsicherungen immer die Farbe der alten Sicherung mit der neuen abgleichen.
2. Korrosion ist der Feind
- Übergangswiderstände: Bei Oldtimern sind oft Korrosion und Verschmutzungen an den Kontaktstellen der Sicherungen (den Haltefedern) das größte Problem. Das führt zu hohen Übergangswiderständen, die die Sicherung und den Sicherungskasten unnötig erhitzen können – selbst wenn kein Kurzschluss vorliegt.
- Reinigung: Überprüfen und reinigen Sie die Kontakte im Sicherungskasten regelmäßig. Eine feine Drahtbürste oder ein Kontaktspray kann hier helfen. Bei Torpedosicherungen sind stabile, federnde Haltezungen essenziell.
3. Notfall-Set und Prüfung
- Ersatzsicherungen: Führe immer ein Sortiment der in deinem Fahrzeug verbauten Sicherungen mit. Das gehört zur Grundausstattung und braucht nicht viel Platz.
- Sichtprüfung: Der große Vorteil der gebräuchlichen Torpedo- und Glas- und Flachsicherungen ist, dass man (meistens) durch eine einfache Sichtprüfung feststellen kann, ob der Schmelzfaden unterbrochen ist. Bei neueren Typen ist das teils schwieriger.
4. Upgrade mit Bedacht
Für Nachrüstungen (z.B. ein modernes Radio, eine zusätzliche USB-Ladebuchse) solltest du immer separate, moderne Flachstecksicherungen in einem geschlossenen Halter verwenden. So hältst du die originale Elektrik unangetastet, schützt die Nachrüstung optimal und belastest den alten Sicherungskasten nicht zusätzlich.
Die Grauzone der "Sicherheit" und "Erhaltung"
Wenn es um die Originalität und die Oldtimerzulassung geht, liegt die Wahl der Sicherungstypen in einem Graubereich. Waren in deinem Oldtimer im Original Torpedosicherungen verbaut und möchtest deine Elektrik auf Flachstecksicherungen umstellen, musst du vorsichtig sein oder dich mit deinem Prüfer abstimmen, um die H-Zulassung nicht zu gefährden. Deine Argumentation für den Umbau kann am Ende entscheidend sein. Die Gutachter (TÜV/DEKRA/GTÜ) prüfen nach der Richtlinie für die Begutachtung von Oldtimern nach § 23 StVZO. Diese Richtlinie ist nicht immer absolut starr, wenn es um Verkehrssicherheit und Erhaltung der Substanz geht. Der Verbau eines Sicherungshalters für Flachstecksicherungen und die Verwendung entsprechender Sicherungen lässt sich aber meist gut rechtfertigen und wird nur selten als wirkliches Problem gesehen.
Hier wird ein Umbau am ehesten toleriert oder sogar empfohlen:
- Vermeidung von Brandschäden: Da die verbauten Torpedosicherungen durch erhöhten Übergangswiderstand und Korrosion tatsächlich zu Überhitzung und Schmelzen (wie in Ihrer Frage beschrieben) führen können, dient der Umbau auf eine zuverlässigere Sicherungsart der langfristigen Erhaltung und Verkehrssicherheit des Fahrzeugs.
- Keine optische Beeinträchtigung: Wenn der Umbau so durchgeführt wird, dass er nicht offensichtlich und nicht sichtbar ist (z.B. durch den Austausch des gesamten Sicherungskastens an einer verdeckten Stelle oder die Verwendung von Adaptern), ist die Chance auf eine positive Begutachtung deutlich höher. Die wesentlichen Hauptbaugruppen (zu denen auch die elektrische Anlage zählt) müssen im Originalzustand sein, aber kleinere, sicherheitsrelevante Verbesserungen werden oft geduldet.
- Umrüstung 6V auf 12V: Eine Umrüstung von 6 Volt auf 12 Volt ist laut Richtlinie grundsätzlich zulässig, wenn sie fachgerecht ausgeführt wird. Dies zeigt, dass sicherheitsrelevante Upgrades an der elektrischen Anlage nicht kategorisch ausgeschlossen sind.
Am Ende zählt die Sicherheit: Dein Umgang mit der Elektrik
Die Autosicherung ist ein unscheinbares, aber lebenswichtiges Bauteil in jedem Oldtimer. Sie ist der Wächter über die Elektrik und verhindert im Ernstfall den Totalverlust durch Brand. Wer die geschichtliche Entwicklung und die spezifischen Anforderungen der Torpedo-, Glas- und Flachsicherungen versteht und auf hochwertige Ersatzteile sowie eine korrosionsfreie Kontaktierung achtet, bewahrt nicht nur die Originalität seines Klassikers, sondern sorgt vor allem für ein Höchstmaß an elektrischer Sicherheit. Alternativ kann aus Gründen der Betriebssicherheit stets die Modernisierung von den gängigen Torpedosicherungen zu den heute üblichen Flachsicherungen bedacht werden.
Eine regelmäßige Kontrolle und die korrekte Bestückung des Sicherungskastens sind die einfachsten und wichtigsten Wartungsarbeiten, die du an deinem historischen Fahrzeug durchführen kannst. Führe zusätzlich auch immer die korrekten Ersatzsicherungen im Bordwerkzeug mit, um durchgebrannte Sicherungen im Fall der Fälle schnell wechseln zu können.
