Wann hast du das letzte Mal unter deinem Oldtimer gelegen – und zwar nicht nur, um bewundernd die Ölwanne anzustarren, sondern mit der Fettpresse in der Hand? In der modernen Autowelt ist das Wort „Wartung“ fast schon zum Synonym für „Ölwechsel und Fehlerspeicher auslesen“ geworden. Viele Bauteile sind heute „wartungsfrei“ oder auf Lebenszeit versiegelt. Doch wer einen Klassiker fährt, weiß: Wer rastet, der rostet – und wer nicht schmiert, der fährt irgendwann nicht mehr weit. In diesem Beitrag tauchen wir in die Welt der Schmiernippel, Fettpressen und Heißlagerfette ein und erklären, warum das Abschmieren so wichtig ist, welches Equipment du wirklich brauchst und wie du verhinderst, dass dein Fahrwerk schneller verschleißt, als du „H-Kennzeichen“ sagen kannst.
Oldtimer richtig abschmieren: Eine Anleitung

Warum überhaupt abschmieren? Die Physik des Gleitens
Stell dir vor, zwei Metallflächen reiben direkt aufeinander. Selbst wenn sie spiegelglatt aussehen, sind sie unter dem Mikroskop rau wie eine Gebirgskette. Ohne eine Trennschicht zwischen diesen Flächen entsteht Reibungswärme, Metall splittert ab, und am Ende hast du Spiel in der Lenkung oder – im schlimmsten Fall – ein blockierendes Bauteil.
Das Fett beim Abschmieren erfüllt drei lebenswichtige Aufgaben:
- Reibung minimieren: Es bildet einen stabilen Film, auf dem die Bauteile gleiten.
- Schutz vor Korrosion: Fett verdrängt Feuchtigkeit. Wo Fett ist, hat Wasser (und damit Rost) keine Chance.
- Dichtung nach außen: Der „Fettkragen“, der beim Abschmieren aus dem Gelenk austritt, wirkt wie eine Barriere gegen Staub, Schmutz und Streusalz.
Das Werkzeug-Set: Was in deine Werkstatt gehört
Bevor du dir die Finger schmutzig machst, brauchst du das richtige Besteck. Vergiss billige Plastikspritzen aus dem Baumarkt – dein Oldtimer verdient Qualität.
1. Die Fettpresse
Hier hast du die Wahl zwischen der klassischen Einhandpresse (super, wenn du unter dem Auto liegst und eine Hand zum Festhalten brauchst) und der Zweihand-Hebelpresse (höherer Druck, gut für hartnäckige Fälle). Profis schwören oft auf Druckluft- oder Akkupressen, aber für den Hausgebrauch bzw. die Nutzung in der Hobbywerkstatt ist die manuelle Presse völlig ausreichend – und man bekommt ein besseres Gefühl dafür, wie viel Fett im Gelenk ankommt. Wir bieten Fettpressen in zwei Größen an – die Fettpresse mit Handhebel für Standard-Kartuschen sowie die Mini-Fettpresse für die kleineren 120 cm³-Fettkartuschen. Beide Pressen stammen vom Hersteller BGS Technic.
2. Mundstücke und Panzerschläuche
Für den authentischen Service an deinem Klassiker ist das Standard-Vierbacken-Mundstück die bewährte Wahl. Es ist der Klassiker unter den Aufsätzen und zeichnet sich durch seine kompakte Bauweise aus, mit der du selbst an eng sitzende Schmiernippel in verwinkelten Fahrwerken gut herankommst. Die Mundstücke erhältst du passend für die genannten Fettpressen in verschiedenen Ausführungen (als gerade Version und als um 90° abgewinkelte Version).
Zur Wahl stehen zudem verschieden lange Panzerschläuche, um auch an schlecht zugängliche Stellen am Fahrzeug problemlos zu gelangen. Der 30 cm-Schlauch kann als Standardmaß gelten, der 100 cm-Schlauch als alternative Lösung für schwierige Fälle.
3. Das richtige Fett
„Fett ist Fett“? Von wegen! Die meisten Fahrwerkskomponenten verlangen nach einem Mehrzweckfett auf Lithiumbasis, wie dem klassischen LIQUI MOLY Mehrzweckfett. Es ist der ideale Allrounder für Lager und Wellen.
Bei besonders hoch belasteten Bauteilen oder Gelenken greifen Profis gerne zum LIQUI MOLY LM 47 Langzeitfett, das dank des Zusatzes MoS2 selbst unter extremem Druck einen stabilen Schmierfilm behält. Schau unbedingt in dein Werkstatthandbuch (das „Schmierblatt“), um die richtige Spezifikation für deinen Klassiker zu finden.
Da Radlager thermisch stark belastet werden, reicht ein normales Fahrwerksfett hier oft nicht aus. Hierfür empfiehlt sich ein spezielles Hochtemperaturfett wie das LIQUI MOLY LM 50 Litho HT. Es behält selbst bei hohen Temperaturen seine Schmierfähigkeit und verhindert zuverlässig das Auslaufen aus der Lagerstelle – ein entscheidender Sicherheitsfaktor für Langstreckenfahrten mit deinem Klassiker.
Beim Abschmieren ist direkter Hautkontakt mit Ölen und Fetten zu vermeiden, da gebrauchte Schmierstoffe gesundheitsschädliche Rückstände und Metallabriebe enthalten können, die zu Hautreizungen führen. Verwenden Sie stets ölbeständige Schutzhandschuhe (z. B. aus Nitril) und reinigen Sie Ihre Hände nach der Arbeit gründlich mit geeigneten Mitteln. Das Auftragen einer Hautschutzcreme vor Arbeitsbeginn wird empfohlen, um die Belastung der Haut zu minimieren und die spätere Reinigung zu erleichtern.
Schritt für Schritt: So schmierst du richtig ab
Das Abschmieren ist kein Hexenwerk, aber man kann einiges falsch machen. Hier ist dein Fahrplan:
Schritt 1: Vorbereitung ist alles
Fahr den Wagen auf eine Grube oder nutze eine Hebebühne. Wenn du ihn aufbockst, achte auf absolute Standfestigkeit (Unterstellböcke!). Wichtig: Manche Gelenke sollten im eingefederten Zustand abgeschmiert werden, damit das Fett dort ankommt, wo die Last im Fahrbetrieb liegt. Lege alles parat, was du fürs Abschmieren benötigst. Neben dem schon beschriebenen Werkzeug solltest du einen Lappen oder Tücher zur Hand haben.
Schritt 2: Die Suche nach den Nippeln
Schnapp dir eine Taschenlampe und dein Schmierblatt. Typische Verdächtige sind:
- Achsschenkel
- Spurstangenköpfe
- Traggelenke
- Kardanwellen-Kreuzgelenke
- Handbremsseil-Führungen
- Manchmal sogar die Wasserpumpe
Wahrscheinlich ist auch, dass du für dein Fahrzeug einen Schmierplan (engl. Lubrication Chart) findest: Er zeigt dir alle Schmierstellen an deinem Fahrzeug in einer schematischen Zeichnung, macht dir diesen zweiten Schritt noch einfacher und reduziert die Gefahr, dass du letzten Endes doch eine Schmierstelle übersehen hast.

Schritt 3: Sauberkeit ist Pflicht!
Einer der wichtigsten Punkte: Wische jeden Schmiernippel vor dem Ansetzen der Presse mit einem sauberen Lappen ab. Wenn Sand oder Dreck auf dem Nippel sitzt und du presst, drückst du den "Schmirgel" direkt ins Lager. Damit bewirkst du genau das Gegenteil von dem, was du willst.
Schritt 4: „Fett marsch!“
Setz das Mundstück gerade auf den Nippel und drücke langsam ab. Beobachte dabei das Gelenk, den Kugelkopf oder was du gerade schmieren möchtest.
Bei Gelenken mit Manschette: Nur so viel drücken, bis sich die Manschette prall wölbt. Wenn sie platzt, hast du ein Problem, denn dann dringt Schmutz ein.
Bei offenen Lagern (z. B. Achsschenkel): Drücke so lange, bis frisches, sauberes Fett an den Seiten austritt. Das alte, schwarze und oft verharzte Fett wird so komplett verdrängt.
Schritt 5: Finish
Wisch das überschüssige Fett ab. Ein dicker Klumpen Fett unter dem Auto sieht nicht nur unsauber aus, sondern zieht auch Dreck an wie ein Magnet.
Was tun, wenn’s klemmt? Wenn der Nippel „zu“ ist
Jeder Oldtimer-Besitzer kennt das: Du drückst auf die Presse, aber der Hebel bewegt sich keinen Millimeter. Der Nippel ist verstopft oder das alte Fett im Inneren ist zu Stein geworden.
Nicht mit Gewalt! Versuche Folgendes:
- Nippel tauschen: Oft ist nur die kleine Kugel im Schmiernippel festgerostet. Schraub den alten Nippel raus und einen neuen rein. Das kostet nur ein paar Cent. Schmiernippel in metrischen und zölligen Größen kannst du bei uns im Sortiment kaufen!
- Wärme: Erhitze das Bauteil vorsichtig mit einem Heißluftfön. Das alte Fett wird flüssig, und der Weg ist frei.
- Grease Joint Rejuvenator: Es gibt spezielle Werkzeuge, die man mit dünnflüssigem Öl füllt und mit einem Hammerschlag Druck ausübt, um die Kanäle freizuspülen.
Die Intervalle: Wie oft muss die Presse raus?
In den 50er und 60er Jahren waren Schmierintervalle von 2.500 bis 5.000 Kilometern völlig normal. Heute fahren wir unsere Klassiker seltener und meist nur bei gutem Wetter. Trotzdem altert Fett durch Oxidation und verliert seine Schmierfähigkeit.
Unsere Empfehlung daher: Einmal pro Saison: Idealerweise im Frühjahr vor der ersten großen Ausfahrt. Wenn du eine ordentliche Regendusche abbekommen hast, lohnt sich ggf. auch schon ein Blick unter den Wagen, um eingedrungenes Wasser direkt wieder mit frischem Fett zu verdrängen.
Der „Fett-Plan“: Dein persönliches Tagebuch
Damit du nicht vergisst, welches Gelenk schon versorgt wurde, kannst du dir eine Liste anlegen. Markiere jeden Schmierpunkt an deinem Auto (manche haben 4, manche ein vielfaches). Wenn du einen Nippel übersiehst, ist das meist genau der, der nach zwei Jahren anfängt zu quietschen.
Fazit: Dreckige Hände, glückliches Auto
Abschmieren ist gelebte Mechanik-Liebe. Es ist eine der wenigen Wartungsarbeiten, bei denen man sofort ein Ergebnis sieht und spürt. Das Fahrwerk arbeitet geschmeidiger, die Lenkung geht leichter, und du hast das gute Gefühl, die Lebensdauer deines Klassikers massiv verlängert zu haben.
Brauchst du noch das passende Equipment? Schau mal bei uns im Shop vorbei – wir haben von der Profi-Fettpresse bis zum Sortimentkasten für Schmiernippel alles da, was du für die nächste Schmier-Session brauchst!
