Jeden ersten Blogbeitrag im Monat werfen wir einen Blick zurück auf die Meilensteine, die unsere Leidenschaft geprägt haben. Wir widmen uns jeweils drei maßgebenden automobilen Jubiläen: Ereignisse, die vor 30, 50, 75 oder mehr Jahren die Welt bewegten und bis heute das Fundament unserer Klassiker-Kultur bilden. Es sind Geschichten von technischem Mut und zeitlosem Design. Begleite uns auf eine Zeitreise: Was geschah in einem Februar vergangener Jahrzehnte, das die Autowelt bis heute bewegt?
Zeitreise Automobil: Jubiläen im Februar 2026
Vor 90 Jahren: Der Mercedes-Benz 260 D – Der erste Serien-Diesel-PKW der Welt
Im Februar 1936 schlug auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung (IAMA) in Berlin die Geburtsstunde einer Antriebsart, die den europäischen Automobilmarkt über Jahrzehnte dominieren sollte. Mercedes-Benz präsentierte den 260 D (Baureihe W 138). Es war das erste Mal, dass ein Dieselmotor nicht nur in Lastkraftwagen oder Schiffen, sondern in einem serienmäßigen Personenwagen zum Einsatz kam.
Technische Pionierleistung
Die Herausforderung bestand darin, das damals noch recht schwere und ungestüme Arbeitsprinzip des Selbstzünders so weit zu kultivieren, dass es für PKW-Kunden akzeptabel wurde. Der von Mercedes-Benz entwickelte Vierzylinder-Motor mit Vorkammereinspritzung war ein Meisterwerk der Anpassung:
- Hubraum: 2.545 cm³
- Leistung: 45 PS (33 kW) bei 3.200 U/min
- Verbrauch: Ca. 9 Liter Diesel auf 100 km (im Vergleich zu ca. 13 Litern Benzin beim vergleichbaren Typ 200)
Der 260 D wurde sofort zum Liebling der Langstreckenfahrer. Besonders Taxifahrer schätzten die enorme Reichweite und die deutlich geringeren Treibstoffkosten. Mit einer Tankfüllung kam man damals rund 400 bis 500 Kilometer weit – in den 1930er Jahren ein phänomenaler Wert. Der Mercedes-Benz 260 D bewies im Februar 1936, dass der Dieselmotor „salonfähig“ war und legte den Grundstein für die legendäre Zuverlässigkeit der Stuttgarter Selbstzünder.
Vor 75 Jahren: Abschied von einem Visionär – Der Tod von August Horch
Die Geschichte des Automobils wird oft in PS-Zahlen und Designstudien gemessen, doch im Kern sind es die Charakterköpfe, die den Fortschritt erzwingen. Am 3. Februar 1951 verstarb in Münchberg einer dieser großen Namen im Alter von 82 Jahren: August Horch. Sein Tod vor einem dreiviertel Jahrhundert markiert den Abschied von einem Mann, dessen Name gleich zwei der prestigeträchtigsten Marken der deutschen Geschichte ziert und dessen Kompromisslosigkeit legendär war.
Vom Schmied zum Automobilpionier
August Horch war kein Theoretiker vom Reißbrett. Er lernte das Handwerk von der Pike auf, arbeitete bei Carl Benz als Betriebsleiter des Motorenbaus, bevor er 1899 sein eigenes Unternehmen gründete. Sein Credo war ebenso schlicht wie anspruchsvoll:
„Unter allen Umständen nur große, starke und gute Autos bauen“
Doch Genie und wirtschaftliche Diplomatie gingen in diesem Fall nicht Hand in Hand. Nach internen Querelen mit dem Finanzvorstand verließ Horch 1909 sein eigenes Werk. Da er seinen Namen für ein neues Unternehmen rechtlich nicht mehr nutzen durfte, griff er zu einem genialen Kniff: Er übersetzte seinen Nachnamen ins Lateinische. Aus dem imperativen „Horch!“ (für „hören“) wurde „Audi“.
Audi: Ein Neuanfang aus Trotz und Innovation
Nach dem Bruch mit seinem ersten Werk bewies August Horch bei der neu gegründeten Audi Automobilwerke GmbH, dass sein Erfolg nicht an einem Namen, sondern an seinem Ingenieursgeist hing. Bei Audi setzte er konsequent auf technische Überlegenheit und Zuverlässigkeit, was sich besonders im sportlichen Bereich auszahlte: Mit dem Audi Typ C, auch bekannt als „Alpensieger“, dominierte sein Team von 1912 bis 1914 die Österreichische Alpenfahrt – eine der härtesten Zuverlässigkeitsprüfungen jener Zeit. Horch war bei Audi ein Getriebener, der Neuerungen wie den Einsatz von Leichtmetallguss bei Motoren vorantrieb. Auch wenn er das Unternehmen nach dem Ersten Weltkrieg verließ, legte er mit seinem kompromisslosen Qualitätsanspruch das Fundament für das heutige Markenversprechen „Vorsprung durch Technik“.
Das Erbe der vier Ringe
Dass wir heute die vier Ringe der Marke Audi als Symbol für Vorsprung und Technik kennen, ist unmittelbar mit Horchs Wirken verknüpft. Auch wenn er sich später aus dem operativen Geschäft zurückzog, blieb sein Einfluss als Gutachter und Verbandsfunktionär (unter anderem bei der Gründung der Auto Union) prägend.
Er war ein Verfechter technischer Perfektion. Unter seiner Ägide entstanden Fahrzeuge, die Symbole für den Aufstieg des Ingenieurwesens waren. Wenn wir heute einen klassischen Horch aus den 1930er-Jahren oder einen frühen Audi betrachten, spüren wir jenen Geist der Unbeugsamkeit, der August Horch auszeichnete.
Vor 70 Jahren: Die Premiere der Renault Dauphine - Thronfolgerin des 4CV
Renault präsentierte im Februar 1956 erstmals offiziell die Dauphine. Sie war als Nachfolgerin des 4CV geplant und sollte die Antwort auf den VW Käfer und die aufkommende Konkurrenz von Citroën sein. Die Pressevorstellung der Dauphine im schicken und modernen Ponton-Kleid fand im Februar statt, kurz bevor sie im März auf dem Genfer Auto-Salon glänzte.
Der Startpunkt einer Erfolgsgeschichte
Mit ihrem Heckmotor-Konzept und dem italienisch angehauchten Design wurde sie zum Export-Schlager und war zeitweise das meistimportierte Auto in den USA. Sie bewies, dass französische Kleinwagen nicht nur praktisch, sondern auch elegant sein konnten. Mit über zwei Millionen produzierten Einheiten in ihrer zehnjährigen Bauzeit übertraf sie alle Erwartungen und festigte Renaults Position auf dem internationalen Markt.
Dank Lizenzfertigungen in Ländern wie Argentinien, Brasilien und sogar Italien (durch Alfa Romeo) wurde sie zu einem Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg der 1950er- und 60er-Jahre und bewies, dass französischer Schick gepaart mit moderner Technik ein Rezept für weltweiten Massenerfolg war.
Auch auf der Rennstrecke und abseits befestigter Wege strafte die Dauphine ihr sanftes Äußeres Lügen und avancierte zur echten Wettbewerbsmaschine. Besonders die von Amedée Gordini veredelten Versionen machten den Kleinwagen zum Favoriten für Privatfahrer und Profis gleichermaßen. Der größte Paukenschlag gelang 1958, als die Dauphine einen Gesamtsieg bei der legendären Rallye Monte Carlo einfuhr – ein Erfolg, der ihren Ruf als robustes und agiles Fahrzeug zementierte.

